Ich folgte einer Einladung zur indischen Hochzeit und nutzte die Gelegenheit für eine Winterflucht in Südindien. (11 Teile)
- Eine Einladung nach Indien als Auftakt einer etwas anderen Reise
- Auf zwei Rädern und mitten ins südindische Ritual
- Mit der Enfield zu Tempeln, Wasserfällen und Hochzeitsfesten
- Eine indische Hochzeit mit Dämonen und unerwarteter Begrüßung
- Abschied aus Belagavi und Dankbarkeit im Gepäck
- Geburtstag in Bengaluru
- Grüne Parks, Rikschas und indische Palmenhörnchen
- Achterbahnen, Karussells und ein Mosambi Mojito
- Trubel auf dem Krishnarajendra Markt
Am Morgen des 13. Dezember wachte ich erholt nach gut 8 Stunden Schlaf auf. Während ich mich anzog, zwitscherte es irgendwo in meinem Zimmer und ich wunderte mich, wie denn ein Sittich reingekommen sein könnte, bis ich bemerkte, dass es die Klingel des Zimmers war.
Vor der Tür stand der Zimmerservice und fragte, ob ich Kaffee oder Tee möchte. Ich entschied mich für Kaffee, welchen ich 5 Minuten später aufs Zimmer bekam. Ich genoss den Blick aus dem Zimmer und machte mich dann auf den Weg in die Lobby, wo ich kurze Zeit später die anderen traf.
So saßen wir bei einem weiteren Kaffee zusammen und warteten darauf, dass uns jemand abholte, um gemeinsam zum Elternhaus der Braut gebracht zu werden, denn man lud uns zum Brunch ein. Das dauerte auch nicht lange und so spazierten wir entlang der Rakaskop Road, vorbei an einigen kleinen Händlern.
An einem Obststand machten wir Halt und Diego kaufte 2 frische Mangos, bevor es weiter zum Shri Ganesha Temple ging. Der Tempel besteht aus 2 Teilen, einem etwas kleineren Raum zur Hauptstraße hin und ein größerer Gebetsraum in der Seitenstraße.
Bei Komals Zuhause angekommen, durfte ich nicht sofort eintreten, denn mir fehlte noch die Willkommenssegnung, welche die anderen in den vorherigen Tagen bereits bekamen. So wurde ich beräuchert, erhielt einen roten Tilaka-Punkt auf die Stirn und einen Umhang. Danach gab es eine kleine Führung durchs Haus und es ging ans Essen.
Es gab Idly, gedämpfte kleine Küchlein aus fermentiertem Reis.
Mittlerweile kam auch Somesh und mir wurden noch weitere Geschenke überreicht. Ein Großteil war Kleidung, die ich bei den unterschiedlichen Zeremonien tragen durfte. Ich probierte die diversen Kurti und Lungi an und bis auf eine Kurta, passte auch alles. Dennoch wurde gleich dafür Sorge getragen, dass auch noch Ersatz für die Nicht-Passende Kurta beschafft wird.
Auf Zwei Rädern
Danach fuhr Somesh mich mit seinem Elektro-Roller zurück zum Hotel, damit ich meine Sachen holen und wir gemeinsam auf das für mich organisierte Motorrad warten konnten. Mittlerweile war es schon weit nach 12 Uhr und auch schon sehr warm. Als das Motorrad kam, eine Royal Enfield 350 Classic, bedankte und verabschiedete ich mich, schaute auf die Karte nach der nächsten Tankstelle und stürzte mich in den indischen Verkehr.
Die Enfield hatte schon einige Jahre auf dem Buckel, der Vergaser war nicht optimal eingestellt, so dass im kalten Zustand kaum Standgas vorhanden war. Spiegel waren keine dran und der Tacho ging auch nicht, aber der Einzylinder ließ sich gutmütig im 2. und 3. Gang bequem durch den dichten Verkehr bewegen. Immerhin funktionierte die Hupe, denn die braucht man auf jeden Fall.

Nachdem ich für 1000 Rupien den Tank füllen ließ, bewegte ich mich Richtung Norden von Belagavi. Mein Ziel war nicht weit weg, aber ich wollte auch nicht unbedingt durch die Innenstadt, in den richtig dichten Verkehr. Ich gewöhnte mich schnell an das hektische Treiben und musste natürlich ständig aufmerksam bleiben. Einerseits gab es viele Bodenwellen, aber auch riesige Schlaglöcher und natürlich die anderen Verkehrsteilnehmer.
Mein Ziel war das Kakati Fort, eine Ruine im Norden der Stadt. Am Ende einer Sackgasse wartete eine lange Treppe auf mich. Es waren sonnige 29 °C und oben gab es nur eine kleine Ruine und ein paar Grundmauern. Vom Fort war daher nicht viel zu sehen, aber es bot sich mir ein weiter Blick über Belagavi.
Kakati ist ein kleines Dorf und der Geburtsort von Kittur Rani Chennamma, der Königin von Kittur. Sie ist Symbol der Unabhängikeitsbewegung gegen die Briten. Das Fort wurde erbaut, um Belagavi und die umliegenden Straßen im Auge zu behalten.


Für die nur wenigen Kilometer brauchte ich schon fast eine Stunde, so beließ ich es nach der Aussicht auch nur dabei, den Rückweg zum Hotel wieder anzutreten, damit ich mich für die Abendveranstaltungen nochmal etwas frisch machen konnte.
Zu pünktlich
Es hieß, dass die Mehendi-Zeremonie um halb 7 in Komals Elternhaus beginnt. Als pünktlicher Deutscher machte ich mich daher rechtzeitig auf den Weg. Eilte jedoch nicht, so dass ich mir auch am Abend nochmal den Shri Ganesha Temple ansah und das geschäftige Treiben an der Straße.
Als ich ankam liefen noch die Vorbereitungen und ich lernte sofort, dass indische Terminangaben locker plus 1-2 Stunden gerechnet werden können. Nach einem Tee brachte man mich wieder zu meinem Hotel, denn die Ersatz-Kurta sollte dorthin geliefert werden. Die kam dann auch nach etwas längerer Zeit und als ich umgezogen war, ging es zur Mehendi. Das ist das kunstvolle Bemalen mit den Farben aus der Henna-Pflanze. Dabei gab es natürlich auch eine Kleinigkeit zu Essen. Da es sich aber überwiegend um eine Feier rund um die Frauen handelte, wurden wir, nachdem wir noch für ein paar Fotos posierten, zum Elternhaus von Somesh gefahren.
Aber auch der Bräutigam feiert, hier fand die Gondhal-Zeremonie statt mit Fackeltanz. Dabei geht es um den Dank an Mutter Bhawani für die Erfüllung der Gebete. Immer 5 Personen mit Fackel tanzen und repräsentieren dabei 5 Gottheiten. Auch ich spielte mit dem Feuer und tanzte im Kreis.
Das war eine sehr anstrengende und intensive Erfahrung, dies nicht nur als Zuschauer zu erleben. Die Gelegenheit für ein Henna-Tattoo gab es aber auch hier und eine Kleinigkeit ließ ich mir auf die Hand malen.
Gemeinsam aßen wir zu Abend, bevor es weit nach Mitternach zurück ins Hotel ging und ich müde ins Bett fiel.
Karte der Tour:
Ich folgte einer Einladung zur indischen Hochzeit und nutzte die Gelegenheit für eine Winterflucht in Südindien. (11 Teile)
- Eine Einladung nach Indien als Auftakt einer etwas anderen Reise
- Auf zwei Rädern und mitten ins südindische Ritual
- Mit der Enfield zu Tempeln, Wasserfällen und Hochzeitsfesten
- Eine indische Hochzeit mit Dämonen und unerwarteter Begrüßung
- Abschied aus Belagavi und Dankbarkeit im Gepäck
- Geburtstag in Bengaluru
- Grüne Parks, Rikschas und indische Palmenhörnchen
- Achterbahnen, Karussells und ein Mosambi Mojito
- Trubel auf dem Krishnarajendra Markt














































Hu, mit dem Mopped in indischen Straßenverkehr? Wie ist der so, chaotisch und das Recht des Stärkeren, oder achten alle aufeinander? Wir hast Du da den Weg gefunden? Guter Orientierungssinn oder Navigation? Und warst Du in Schutzklamotten und Helm unterwegs und falls ja, wie hast das da hinbekommen?
@Silencer: Ja, das fühlt sich erst sehr chaotisch an, vor allem, wenn man es nur von außen sieht und nicht selbst fährt. Es wird viel miteinander kommuniziert per Hupe, das ist nicht aggressiv, sondern meist nur ein: Huhu, hier bin ich.
Ich hatte Google Maps auf dem Ohr, das ging so ganz ok, ab und an hielt ich an, um mal auf die Karte zu schauen. Schilder mit Straßennamen gibt es im Grunde aber keine, daher hab ich mir eher die Kreuzungen und Kreisverkehre bzw deren Abfahrten eingeprägt.
Man sieht es ja auf den Fotos, ich hab einen Jet-Helm bekommen, ansonsten trug ich Wanderschuhe, leichte Wanderhose, Jacke, Schlauchtücher und ich hatte Motorrradhandschuhe dabei.
Auf Grund der Straßenzustände und so gut wie keinen Ampeln, bewegt sich alles auch sehr langsam.