Rest In Pieces – RF 600 R

Das Projekt “Wiederaufbau RF” begann wohl im Jahre 2010. Ich sah sie damals traurig in der Werkstatt, welche ich zu dieser Zeit mit meiner 125er MuZ besuchte, in der Ecke stehen und fragte mich und den Besitzer, was wohl mit ihr passieren sollte.
Zu dieser Zeit konnte ich sie mir nicht leisten, aber ein Jahr später, als sie noch immer unangetastet in der gleichen Ecke vor sich hin weinte, sah das schon anders aus und wir planten einen groben Ablauf der zu leistenden Arbeiten mit dem Ziel sie zum Saisonstart 2012 fertig zu bekommen.

Nach diversen Verzögerungen wurde es dann doch erst Ende April 2013 etwas, aber die Freude war umso größer, als ich endlich aufsteigen und losfahren konnte. Im Laufe der ersten Wochen war ich weiter regelmäßiger Besucher der Werkstatt, das Thermostat des Lüfters war defekt, die Gabel ölte, das Bremslicht leuchtete bei der Betätigung der Fußbremse nicht, der Verbrauch lag bei über 15L, das Lenkerschloss schloss nicht… ABER sie fuhr und ich war glücklich.

RF600R

Die Harzreise

So fuhr ich die ersten Wochen mit ihr beinahe täglich, zur Arbeit aber auch mit Max ein paar kleinere Touren. Natürlich durfte dann eine größere Ausfahrt nicht auf sich warten lassen, wir hatten schließlich lange genug darben und sehnen müssen, sodass wir beide beschlossen im Mai eine dreitägige Tour in den Harz zu unternehmen[1].

Während ich noch stark mit der Maschine beschäftigt war und sie für den längeren Weg fit bekommen wollte, kümmerte Max sich um die Feinheiten der Tour. In der letzten Mai-Woche ging es dann endlich los und wir flogen voller Vorfreude in Richtung sonniges bergiges kurvenreiches Ziel. So zumindest der Plan.

Bereits in der Berliner Innenstadt kurz hinter dem Potsdamer Platz hatten wir eine kurze Strecke mit Stop&Go zu überwinden. Nach wenigen Minuten begann mein Motorrad unter mir stark zu dampfen… Wir fuhren sofort rechts ran und untersuchten den Ursprung der heißen Quelle. Das Thermostat war nach kurzer Betrachtung wohl noch immer nicht in Ordnung, aber da die Maschine unversehrt schien und sich das Gedampfe bereits nach wenigen Augenblicken einstellte, entschieden wir unser Glück auf jeden Fall zu versuchen. Es lief dann bei schneller Fahrt und kühlender Luft auch erstaunlich reibungslos. Zumindest dachten wir das.

Als ich bei einem der häufig anfallenden Tankstopps (wie gesagt, 15L Verbrauch), mal kurz dem Porzellangott huldigte, hatte Max wohl genügend Zeit, meine Maschine mal kurz zu checken. Was er entdeckte, hätte durchaus auch schwerwiegende Folgen für mich haben können, denn der Bolzen des Hinterrades schaute auf einer Seite bereits knapp 2cm heraus… Wieder einmal stellte sich meine Mitgliedschaft im ADAC als eine gute Investition heraus. Um die Geschichte abzukürzen: der nette Herr von den “gelben Engeln” war so pfiffig, mir eine neue Mutter zu organisieren und dann auch zu montieren. Die Tour war gerettet und wurde dann auch wundervoll und für mich unvergesslich.

Auf dem Weg in den Harz

Die Vernunft obsiegt

Leider blieb es nicht bei den oben geschilderten Problemen. Die Simmeringe wurden mehrfach getauscht, bis sich herausstellte, dass die Gabel wohl von innen gerostet sein musste, die Simmeringe damit immer wieder aufriss und hätte ausgetauscht werden müssen. Doch bevor ich weiter in diese Sparbüchse investierte, wollte ich eine unabhängige Expertenmeinung hören und fuhr zu einer Ausbildungswerkstatt für Zweiradmechaniker. Der Chef persönlich nahm sich meiner an und machte mir bereits bei der oberflächlichen Inspektion wenig Hoffnung.
Es kam nicht unerwartet, aber dennoch schockierend. Beim Kompressionstest des Motors wurde festgestellt, dass der beste Zylinder auf 80% lief, die drei anderen auf unter 20%. Mein Motorrad verstarb also an einem Herztod. Das war natürlich nicht alles, es gab noch diverse andere Mängel, aber in Anbetracht der Schwere des Motorschadens musste ich endlich einsehen, dass weitere Investitionen einfach rausgeschmissenes Geld gewesen wären. Was also nun?

MCF und die hübsche Schwarze

Bei einem der diversen Ersatzteileinkäufe für die RF verschlug es mich in die Nähe des Ostkreuzes zum Motorrad-Center-Friedrichshain[2]. Dort stand diese wunderschöne wenig gefahrene Suzuki GSX 750 F[3] (insgeheim schon lange mein Traummopped. Ja, Geschmäcker sind verschieden). Wie der Zufall es so wollte, war sie nach der bestürzenden Diagnose der RF noch immer zu haben. Ich habe nicht lange überlegt und zugeschlagen.

GSX 750 F

R.I.P. Suzuki RF 600 R

Tony, ein langjähriger Freund, Ingenieur, Schrauber und selbst begeisterter RF-Pilot, kam natürlich nicht umhin, das gesamte Drama um die RF von Anfang an bis zum bitteren Ende mit zu verfolgen. Und so kam es, dass er extra aus dem entfernt gelegenen Heilbronn anreiste, um der alten Dame die letzte Ehre zu erweisen und sie bis ins letzte Stück zu zerlegen. Seitdem lagern die Einzelteile in meiner Garage und warten darauf von passionierten RF-Liebhabern (und ich kann sie nur allzu gut verstehen, bei dem heißen Hintern) erstanden zu werden. Solltet ihr Teile suchen, jemanden kennen der etwas sucht oder mir einfach nur einen Gefallen tun wollen, so sprecht mich gern an und wir finden eine Einigung in beiderseitigem Interesse.

Was von der Suzuki RF 600 R übrig blieb

RF600R Front Koso Tacho Dashboard RX2
Koso Tacho und LSL Touringlenker LSL-Lenker mit Umbaukit rechte Seite, Auspuff
Maske Stahlflex-Bremsleitungen Heck
Hinterreifen Vorderreifen teilweise Motorrad

  1. [1] Beitragsserie 2013 Harztour
  2. [2] Motorrad-Center-Friedrichshain
  3. [3] Die Neue, die jetzt öfter kommt

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