ausprobiert: Toshiba Chromebook CB30-102

Ein Chromebook als Alternative zum herkömmlichen Notebook?

Der Frage wollte ich einmal nachgehen und nahm dazu für einen Test das Toshiba Chromebook CB30-102[1] über ein Wochenende mit nach Hause.

Ein paar Daten zum Gerät

Im Inneren werkelt ein Intel Celeron 2955U mit 2 x 1,4 GHz, der passiv gekühlt wird. Unterstützt von 2GB Arbeitsspeicher und einer 16GB SSD steht dem Cloud-basierten arbeiten auf dem 13,3 Zoll großen Display nichts im Wege. Die Auflösung beträgt 1366 x 786 Pixel und es handelt sich (leider) um ein Glare-Display, das auch etwas Blickwinkelabhängig ist. Das Gewicht wird mit 1,5kg angegeben, ich habe 1,474kg gemessen.
An Anschlüssen gibt es neben der Ladebuchse (Hohlstecker), 1x HDMI, 2x USB3.0 und ein kombinierten Kopfhörer/Mikro-Anschluss 3,5mm. Ein SD-Kartenslot und Kensington-Lock ist ebenfalls vorhanden.
Drahtlos verbinden kann sich das Gerät natürlich per WLAN 802.11a/b/g/n und Bluetooth 4.0. Die Webcam löst mit einem Megapixel auf.

Chromebook Chrome OS

Im Lieferumfang des Gerätes befindet sich das Netzteil, eine einfache Stoffschutzhülle (weiß) ,ein kurz gehaltenes Benutzerhandbuch, ein allgemeiner Chromebook-Beileger und ein Handbuch zum sicheren und angenehmen Arbeiten. Alles ausschließlich in deutscher Sprache und damit deutlich weniger Papier.

Inbetriebnahme

Der erste Start erfordert zunächst die Angabe der Sprache und eines WLAN-Netzwerks. Danach kann man sich entweder in sein vorhandenes Google-Konto einloggen oder legt ein Neues an. Ohne ein Konto geht beim Chromebook nichts.

Chromebook Chrome OS

Hat man sich in ein bestehendes Konto eingeloggt, und nutzte bereits Chrome auf dem Desktop, werden die Einstellungen über die Google-Cloud direkt synchronisiert und man bekommt seinen gewohnten Chrome-Browser zu sehen.
Der Browser ist das Zentrum von Chrome OS, nahezu alle Anwendungen laufen in Browsertabs. Ausnahme sind z.B. der Dateimanager, die Fotos-Anwendung, sowie die Kamera- und Hangouts-Anruf-App.

Apps und Erweiterungen gibt es im Chrome Web Store[2]. Browsererweiterungen sind nur über den Browser nutzbar, Chrome Apps hängen sich dagegen auch in das Apps-Menü unten links.

Desktop Chrome OS

Alle Einstellungen lassen sich mit der Cloud synchronisieren. So sind alle Apps, Erweiterungen Lesezeichen in alle Chrome-Umgebungen, an denen man sich anmeldet, identisch verfügbar und dabei spielt es keine Rolle ob es sich um ein Chromebook oder einen Desktop-Rechner handelt.

Der durchschnittliche Start des Chromebooks vom Einschalten bis zum Benutzerlogin dauert ca. 7s. Danach ist das System vollständig nutzbar. Das ist schon recht flott und ideal für ‘um mal schnell im Internet was nachzusehen’.

Fürs Büro?

Google bietet mit seinen Cloud-Office-Anwendungen Google Docs, Google Tabellen usw. im Grunde alles was man für die Büroarbeit benötigt. Wer jedoch auf Microsoft Office nicht verzichten kann, kann natürlich auch die Online-Office Variante von Microsoft im Browser nutzen. Das setzt natürlich ebenfalls voraus, dass man alle seine Dokumente in Microsoft OneDrive synchronisiert.
Die Office-Arbeiten, egal ob mit Google oder Microsoft, meistert das Gerät ganz gut. Hier kommt es ja auch nur selten auf hohe Performance an, wobei die eigentliche Arbeit ja eben in der Cloud passiert.

Toshiba Chromebook silber

Das große Touchpad, ca 10x7cm, erschwert es zumindest mir dauerhaft bequem schreiben zu können, am Tisch geht das noch einigermaßen, aber auf dem Schoss ist das schon etwas unbequem.
Das Pad besitzt nur eine Taste und die Touchgesten sind schnell verstanden. Links-Klicken ist klicken (kann man aber auch auf Tippen umstellen). Rechts-Klick wird mit zwei Fingern gleichzeitig gemacht. Ebenso gescrollt wird mit 2 Fingern, hier kann man zwischen dem klassischen und australischem Weg wählen, also hoch/runter vertauschen. Pinch-To-Zoom funktioniert ebenfalls.
Wer das alles nicht mag, kann auch ganz klassisch eine Maus anschließen.

Toshiba Chromebook Tastatur und Touchpad

Bei der Tastatur handelt es sich um Tasten voller Größe mit einem angenehmen Druckpunkt. Die Abstände der Inseltastatur sind groß genug, um sich nicht zu vertippen.
Die Belegung ist gegenüber herkömmlicher Tastaturen etwas abgewandelt. So gibt es statt der Feststelltaste (Caps-Lock) eine Suche-Taste. Die Funktionstasten sind mit anderen Funktionen speziell für Chrome OS belegt und bedruckt. Es fehlen Tasten wie Entfernen, Einfügen, Seite hoch/runter. Die Funktion der Suche-Taste kann geändert werden. Um die regulären Funktionstasten F1-F10 nutzen zu können, drückt man die Suche-Taste und die equivalente Funktionstaste.
Damit kann man sicherlich leben, wenn man jedoch Vielschreiber ist, werden einem die nicht vorhandenen Entfernen- und Navigationstasten vermutlich fehlen. Ich vermisste sie jedenfalls, gerade auch beim Schreiben dieses Beitrages.

Die Enter-Taste ist recht klein ausgefallen, so dass hier die Gefahr besteht, eher die Raute (#) zu treffen.

Chrome Logo

Peripherie

An die USB-Anschlüsse lassen sich neben Maus oder Tastatur auch Datenträger wie Festplatten oder USB-Sticks anschliessen. Das Einhängen geschieht sehr schnell, so dass eine Nutzung der darauf befindlichen Daten direkt möglich ist. Dank USB3.0 ist auch das betrachten großer Fotos direkt von der Festplatte sofort möglich. Das Abspielen von Aufnahmen aus meiner GoPro startete ohne Verzögerung. Die FullHD-Aufnahmen schienen kein Problem für Prozessor und Grafik darzustellen. Ähnliche Beobachtungen machte ich auch bei FullHD-Videos auf Youtube, Play Movies, Netflix oder Amazons Prime Instant Video. Die Filme liefen hier direkt los und ohne Ruckler.

Kensington-Lock, Ladebuche und SD-Kartenleser

Kopfhörer/Mikro, USB3.0, HDMI

Die Lautsprecher befinden sich vorne am Gerät rechts und links. Die Schallöffnungen liegen fast auf den Ecken. Obwohl das Gerät recht dünn ist, zugeklappt etwa 19mm hoch, klingen die Lautsprecher recht ordentlich und bieten auf Grund der Basisbreite einen guten Stereoklang.

Die Akkulaufzeit entsprach nahezu den Angaben des Herstellers. Ich kam in etwa auf 8h, wie viel hier nach mehr mehreren Ladezyklen noch drin ist, kann ich jedoch nicht sagen. Die passive Kühlung ist kein Nachteil für die Hardware, mehr als handwarm, wurde das Gerät nicht. Vorteil, es ist natürlich so leise wie ein Tablet.

Kann das Chromebook ein herkömmliches Notebook ersetzen?

Nun komme ich jedoch so langsam auf die Eingangsfrage zurück.
Ich sage jein. Es kommt immer darauf an, wie man damit arbeiten will. Das Konzept ist zweifelsohne interessant. Für mich passt es jedoch nicht ganz. Der Chrome Web Store bietet zwar eine Menge Apps, auch zur RAW-Bearbeitung von Fotos, diese ersetzen aber bei weitem nicht die Möglichkeiten meiner genutzten (proprietären) Desktoplösungen. Ähnliches gilt für den Videoschnitt. Das Youtube-Studio ist zwar ganz nett, aber dessen Fähigkeiten bildet auch eine von mir genutzte Tablet/Smartphone-App ab.

Ein weiteres Manko: von Haus aus kann das Chromebook nicht auf NAS-Laufwerke zugreifen, dem kann man jedoch zumindest mit dem Eingriff[3] in den Developer-Modus beikommen.

Google Cloud heißt auch Cloud-Printing.
Unsere Drucker daheim besitzen zwar Netzwerkanschlüsse, sind jedoch nicht cloudfähig, es sei denn, ein Desktop-PC bleibt an. Viele aktuelle Drucker sind jedoch bereits mit Cloud-Print ausgerüstet, so dass es für die meisten anderen Anwender sicher kein Problem darstellt. Aber heutzutage wird ja daheim auch deutlich weniger gedruckt.

Wer keine Videos schneiden oder RAW-Fotos bearbeiten will, bzw. dies nur in sehr kleinem Umfang, wer bereits Google Drive als wesentliche Office-Lösung für Dokumente und Tabellen einsetzt, unterwegs Video-On-Demand-Dienste (ohne Silverlight) nutzen möchte, viel und gerne surft, Mails schreibt, in Blogs und sozialen Netzwerken mit Freunden und Bekannten in Verbindung bleibt oder im Internet einkauft, der macht mit einem Chromebook nichts falsch.
Mit einem Chromebook ist man auch gut geschützt vor Viren oder Trojanern. Erkennt das Chromebook doch mal eine Veränderung am Betriebssystem, so wird man beim Boot-Vorgang sofort darauf aufmerksam gemacht und kann das Gerät sauber neu starten. Nach dem Login werden dann wieder alle Einstellungen und Apps aus der Cloud synchronisiert, so dass man gewohnt weiterarbeiten kann. Phishing-Mails bleiben davon natürlich unbenommen. Also auch Ideal für Oma und Opa, geringster Support-Aufwand. 😉


Ich bedanke mich bei meinem Arbeitgeber preiswertePC.de[4], der mir das Gerät für einen Test aus rein privatem Interesse zur Verfügung stellte.

  1. [1] Toshiba CB30-102 33,7 cm Chromebook silber: Amazon.de
  2. [2] Chrome Web Store – Apps
  3. [3] How to mount network shares on Chromebook using smbnetfs · GitHub
  4. [4] PreiswertePC.de – gebrauchte Notebooks, Computer und Tablets

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.