Vergangenheitsgeplänkel

Als ich am vergangenen Sonnabend mit dem Mopped unterwegs war und mit mir und meinen Gedanken allein war, fielen mir einige Dinge aus meiner Kindheit wieder ein. Alles was ich heute machen kann und schon erlebte, hätte ich mir damals nur in Tagträumen vorstellen können.

Wenn man wie ich in Berlin, Hauptstadt der DDR aka Ost-Berlin[1] groß geworden ist und glücklicherweise nicht zu sehr abgeschirmt wurde, war einem schon in früher Kindheit mehr oder weniger klar, dass es da noch eine andere Welt gibt, in die man nicht fahren konnte.
Mit der S-Bahn ging es nur bis zum Bahnhof Friedrichstraße und nicht weiter, über den Sichtschutz am Bahnhof wunderte man sich.

Einen Teil meiner Kindheit verbrachte ich da, wo ich jetzt auch wieder wohne, in der Nähe des Bahnhofs Lichtenberg und gleich daneben in der Eitelstraße Ecke Margaretenstraße befand sich ein Intershop[2]. Als Piepel hing ich davor auch hin und wieder mal rum.

Wie ich so da sitze, kam eine Mutter mit ihrem etwa gleichaltrigen Sohn zu mir und fragte mich, ob ich hier warte. So oder so ähnlich fing vermutlich damals das Gespräch an. Da ich aber nicht auf meine Eltern oder Großeltern wartete, konnte ich die Frage verneinen. Ihrem Jungen hatte sie wohl 2-3 Matchbox-Autos und Westnascherein gekauft und aus mir unbekannten Gründen schenkte sie mir dann eines der Autos. Es war ein weißes Ford Escort Cabrio. Sowas vergisst man nicht, auch nicht, dass ich den irgendwann dann mit nem Filzer schwarz angemalt hatte.

Auf jeden Fall hatte ich mich sehr über das Geschenk gefreut und bin gleich nach Hause um es zu den alten gebrauchten Autos meines Bruders zu stellen. War schon ein knorker Neuwagen so zwischen den anderen. 😉

Naja, eigentlich wollte ich ja was ganz anderes erzählen. Mitte der 80er, als ich so inner dritten Klasse war, da wohnten wir in Neuruppin. War schon anders als Berlin, aber es war ja auch nur ein Jahr.
Alte gebrauchte Westcomics und so Gedöhns fanden ab und an auch mal den Weg zu uns und in dem Jahr, war irgendwoher auch ein Reisekatalog gekommen. Den hatte ich sogar mit in die Schule genommen. Jaja, war verboten dieses Westzeugs mitzubringen, aber ohne Adrenalin merkt man ja auch nicht, dass man lebt. (Und trotz aller Vorsicht wurde später mal mein geliebtes Star Trek Comic eingezogen.)

Mit ein oder zwei Mitschülern blättern ich also durch diesen Reisekatalog und wir sahen Bilder von Griechenland, Spanien und anderen Mittelmeerländern. Überall gabs viel Sonne, Palmen und lange Sandstrände und wir planten in unserer kindlichen Naivität schon wann und wo wir hinfahren wollten.

Damals reisten wir aber nur in unseren Köpfen in ferne Länder und hätten nie daran gedacht, dass wir das auch mal wirklich machen könnten, genauso wie ich sicher nie daran gedachte hätte Depeche Mode live zu sehen[3] oder wirklich mal eine Honda fahren würde.

Ferienlager war in meiner Kindheit natürlich immer ein Erlebnis. Auch wenn ich die meiste Zeit immer nach Lückenmühle in Thüringen fuhr, gab es im Sommer 1989 eine Ausnahme. Da ging es in die ČSSR. Das erste Mal ins Ausland, da wo Pan Tau, die Tintenfische und Luzie wohnen.
Den genauen Ort weiß ich nicht mehr, aber es war in einem Tal nahe dem Fluss Berounka[4]. Es gab natürlich auch einen Tagesausflug nach Prag und das war schon fast wie eine Fahrt in den Westen. Hier gab es ja nahezu alles, was man aus der Werbung und Filmen kannte, nur das Taschengeld reichte leider nicht, um auch alles mitzunehmen.

Wenn ich so zurückdenke, war mir in dem Sommer nicht bewusst was da in Ungarn an der Grenze abging und dass ich nur wenige Monate später in Westberlin stehen würde, erst recht nicht.

Tja, nun ist es Alltag und die damals im Kopf gemachten Reisen, sind teilweise Realität geworden.

Dromedar-Reiten auf Djerba
Salzsee Chott el-Jerid (Sahara) Eiffelturm auf dem Eiffelturm

Ein Teil der ČSSR heißt jetzt Tschechische Republik und wurde, weil sie fast um die Ecke liegt, nun natürlich öfter bereist[5], aber auch Polen[6], bisher jedoch nur einmal für einen Urlaubstrip.
Frankreich, speziell Paris[7], habe ich auch nicht nur einmal besucht, ebenso Djerba in Tunesien[8].

In den schweizer Alpen

Großartig war natürlich auch die kleine Europatour mit dem Mopped[9] in der wir unter anderem sogar bis Italien und die Schweiz gekommen sind und das alles einfach so, ohne Grenzkontrollen, Visa- oder Ausreiseanträge.

Danke Wende und Schengener Abkommen.

  1. [1] Ost-Berlin – Wikipedia
  2. [2] Intershop (Handel) – Wikipedia
  3. [3] Synthie-Pop from Basildon
  4. [4] Berounka – Wikipedia
  5. [5] Unser Kurztrip nach Tschechien Teil 1/3
  6. [6] Kurztrip an die polnische Ostsee #twollin – 1/2
  7. [7] Tagesausflug Paris (22.07.05)
  8. [8] Djerba Urlaub 2003
  9. [9] Short Way Round: der Film

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